Erste praktische DfW-Fallstudie

Bedürfniszentriertes Design: Ideen entwickeln, Konzepte erstellen und direkt auf ihre Wirksamkeit überprüfen.

Die zentralste Aufgabe des Konsortiums im Projekt liegt in der praktischen Überprüfung des entwickelten Innovationsansatzes und –prozesses. Um dies zu erreichen durchlaufen wir vier Fallstudien im Projektverlauf und evaluieren und justieren dabei das Prozessmodell. Wir sind mit der ersten Fallstudie bereits weit fortgeschritten und wollen an dieser Stelle über das Gelernte, sowie unsere angewandten Methoden berichten. Zudem gibt es die Chance aktiv unsere Fallstudie zu unterstützen und sich detailliert mit einer einzelnen Methodik auseinander zu setzen.

 

Wo stehen wir aktuell:

Das kontinuierliche Evaluieren und Justieren beziehen wir nicht nur auf das Prozessmodell, sondern haben es als zentrales Vorgehen aus dem Lean Startup Prozess adaptiert und innerhalb des Innovationsprozesses fest verankert. Dieser Schritt soll sicherstellen, dass unsere entwickelten Ideen ein identifiziertes Problem des potenziellen Nutzers lösen oder ein gewünschtes Bedürfnis befriedigen. Für diese Überprüfung stehen dem Entwickler bzw. Designer verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Und genau an diesem Punkt befinden wir uns in der ersten Fallstudie. Wir haben Hypothesen aufgestellt und darauf basierende Konzepte entwickelt, welche wir nun überprüfen möchten. Hierfür haben wir unsere Konzepte visuell und verbal aufbereitet.

Über den folgenden Link, könnt ihr an unserer quantitativen Studie teilnehmen und einen Überblick über die Ausarbeitung sowie Darstellung der Konzepte erhalten. Zudem bekommt ihr einen Einblick über die spezifische Fragetechnik mit deren Hilfe wir die Auswirkungen der Konzepte auf das Wohlbefinden ermitteln wollen:

Design for Wellbeing-Studie

Mit Hilfe dieser quantitativen Online-Umfrage, soll eine Vielzahl an Probanden einfach und mit geringerem Aufwand erreicht werden. Durch die spezifischen Abfragen soll die Auswirkung der Konzepte auf das Wohlbefinden überprüft werden. Um unsere ersten Lösungsansätze auf einer breiten Basis auswerten zu können, haben wir zudem qualitative Interviews geführt und werten die Ergebnisse aktuell aus (siehe Ausschnitt aus den Interviews). Zusätzlich wurde für ein Konzept bereits ein Prototyp entwickelt, um in einer direkten Konfrontation Auswirkungen auf das Wohlbefinden im Vergleich zu aktuellen vorhandenen Lösungen zu ermitteln.

 

Wie kamen wir da hin:

Das Thema für diese erste praktische Fallstudie lautete zu Beginn „tägliche Zahnhygiene“. Durch Interviews mit verschiedenen Nutzergruppen sowie die Überführung und Auswertung der Erkenntnisse anhand des Praktiken-Canvas erhielten wir ein strukturiertes Bild über die Bedürfnislage, auch in Bezug auf die verschiedenen Unterpraktiken. Dieses umfassende Verständnis der Praktik brachte uns dazu, dass Thema der Fallstudie auf die Unterpraktik „Zahnseide nutzen“ einzugrenzen. Dies hatte vielfältige Gründe, wobei der ausschlaggebendste für uns die ersichtlichen Potenzialfelder waren, die sich aus dem Praktiken-Canvas ableiten ließen. Die Praktik funktioniert nicht so routiniert und problemlos wie das „Zähne putzen“ und verursacht vergleichsweise wenig Wohlbefinden. Potenzialfelder lassen sich in der Befragung auf verschiedenste Weise ermitteln.

Erläuterung zum Praktiken-Canvas und dessen Verwendung findet ihr hier.

Zunächst wird die Bedeutung der Praktik für den Ausübenden ermittelt und die Bedürfnisse die damit bereits befriedigt werden. Darüber hinaus geht es allerdings auch darum zu erkennen ob manche Bedürfnisse aktuell noch nicht ausreichend befriedigt werden, bspw. durch falsches Material oder fehlende Fertigkeiten. Oder ob ein Bedürfnis mit dem vorhandenen Material überhaupt nicht adressiert wird. Ein Beispiel bietet hier der Vergleich zwischen „Zahnseide nutzen“ und „Zähne putzen“: Viele Probanden gaben im Verlauf das Interviews an, dass die Praktik „Zähne putzen“ das Bedürfnis nach Verbundenheit befriedigt, weil sie sie mit dem Partner ausübten und damit gemeinsam den Tag abschließen. In der Praktik „Zahnseide nutzen“ wurde dieses Bedürfnis nicht einmal erwähnt, bildet aber aufgrund der Nähe der beiden Themen ein mögliches Potenzialfeld um Lösungsansätze zu entwickeln und zu überprüfen. Zudem wurde in den Interviews eruiert, was im Ausüben der Praktik gut funktioniert und was weniger. Visionen, Wünsche und eigene Best Practices äußerten die Probanden während der Interviews fast eigenständig.

Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen und den identifizierten Potenzialfeldern wurden verschiedene Konzepte in einem „Ideation-Workshop“ entwickelt. Die Konzepte greifen dabei die Bedürfnisse die noch nicht bzw. noch nicht ausreichend befriedigt werden auf. Sie stellen durch die konkrete Adressierung Potenziale zur Steigerung des Wohlbefindens dar.  Um in der Überprüfung Rückschlüsse auf den hypothetischen Ansatzpunkt zu ermöglichen werden die Konzepte auf einzelne Bedürfnisse abgestellt. Wir haben beispielsweise ermittelt, dass das Bedürfnis nach Sicherheit aktuell durch Zahnseideprodukte wenig befriedigt wird. Durch die Interviews und die Analyse der Praktik konnten wir herausfinden, dass durch besseres Feedback das Bedürfnis nach Sicherheit unterstützt und gesteigert werden kann. Achtung: Hypothese! Dieser Zusammenhang wird gerade durch die Überprüfung validiert, an der wir uns (wie eingangs beschrieben) aktuell befinden.

 

Konzeptkarten zur Überprüfung der ersten Lösungsideen

"The Dark Bright": Prototyp zur Überprüfung der Lösungsanfroderung "Feedback"

Wie geht es weiter:

Nach Auswertung der qualitativen Interviews und der Online-Umfrage überführen wir die Erkenntnisse im Rahmen eines Kreativworkshops in konkrete Anforderungen an ein wohlbefindenssteigerndes Lösungskonzept. Basierend auf den Anforderungen werden wir einen weiteren Protoyp (kleine Vorschau auf den Ersten seht ihr rechts) entwickeln und umsetzen, der wiederum validiert wird.

Anschließend, nach Auswertung dieses Tests, werden Anknüpfungspunkte an den weiteren Design- und Innovationsprozess überprüft und eine Value Proposition für das umgesetzte Konzept formuliert. Die erste Fallstudie wird mit einer Anpassung unseres Prozessmodells abgeschlossen, was wir wiederum in diesem Rahmen teilen werden.